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15 Dezember 2024

Eine schlichte Leinen-Chemise für das 18. Jahrhundert

Diese Chemise entstand nach vielen Vorbildern aus dem 18. Jahrhundert und ist aus einem weißen Leinenbatist genäht. Ich habe sie bewußt schlicht gehalten, um sie zu möglichst vielen Gewändern tragen zu können.

Der Ausschnitt hat eine leicht eckige Form bekommen, die sich den Ausschnittlinien der Oberbekleidung anpaßt. Er ist mit einem Schrägstreifen verstürzt worden. Die Säume der halblangen Ärmel und der Saum sind von Hand genäht.

In die Seitennaht ist ein langer Keil eingesetzt, um im Saumbereich mehr Weite zu erhalten.

Die eingesetzten Zwickel unter den Achseln sorgen für die nötige Bewegungsfreiheit. Die Nahtzugaben habe ich nach dem Zusammennähen auseinandergebügelt, eingeschlagen und mit Handstichen festgepunktet.



15 Oktober 2022

Ländliches Idyll im Rokoko

Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts entdeckte der französiche Adel das Landleben für sich. Seit der Regierungszeit des extravaganten Sonnenkönigs hatte sich Frankreich nicht nur zum politischen sondern auch modischen Zentrum gemausert. Und wenn sich Frankreichs Adel für das Landidyll begeisterte, fand auch der restliche europäische Adel Gefallen daran.

Freilich schwärmte man nicht wirklich für das harte Leben auf dem Land, sondern für eine fantasievolle Idealvorstellung. Man hatte Sehnsucht nach einem romantisierten, verklärten Idyll. Bald schon wussten die Künstler, was die Menschen der damaligen Zeit ansprach und sie kamen dem Wunsche von Gemälden mit entsprechenden Szenen nur zu gerne nach. Mit der Realität hatten diese Darstellungen nichts zu schaffen.

1750, Francois Boucher, National Galery of Art

Hier erhält die (in Seide gekleidete) Schäferin unter den Augen eines steinernen Löwen einen Liebesbrief von einer Taube überbracht. Der schleifchengeschmückte Blumenkorb liegt nicht weit und über die ruhende Schafherde hinweg kann der Blick in die Ferne schweifen... Das Leben kann so schön sein!

Gerne deuteten die Darstellungen auch Liebesszenen an und geizen nicht mit erotischen Anspielungen. Männlein und Weiblein in trauter Einsamkeit. Das Dekolleté so tief, dass der Fantasie nicht mehr viel Spielraum bleibt, die Füße entblößt...

1768, François Boucher, Public domain, via Wikimedia Commons

Für eine Recherche der tatsächlich getragenen Kleidung im 18. Jahrhundert sind diese Gemälde nicht geeignet. Es sind Fantasiegebilde. Weder wird hier die Kleidung der Adligen oder des gehobenen Bürgertums gezeigt, noch die Kleidung einfacher Bürgerinnen. Weshalb wir diese Abbildungen hier präsentieren? Ganz einfach: Das Interesse des Adels am Landleben und die damit einhergehenden künstlerischen Darstellungen hatten Einfluss auf die Mode.  Das Leben mit der Natur - oder was man sich darunter vorstellte - war ein Idealbild. Und wer konnte schon naturverbundener sein, als eine romantische Schäferin? 

Während sich in den vergangenen Zeiten die Bürger immer an der Mode des Adels orientierten, kehrte sich dies im 18. Jahrhundert erstmals ins Gegenteil. Kleidungsstücke oder Accessoires, die dem gemeinen Bürger zuzordnen waren, fanden ihren Weg in die Mode der gehobenen Kreise. 

           
um 1752, Jean-Honoré Fragonard, Public domain, via Wikimedia Commons

Rechts neben der schönen Schäferin liegen in Reichweite zwei unerlässliche Gegenstände: Um die Schafe ordentlich hüten zu können, bedarf es natürlich eines Schäferstocks und um gegen die Sonne geschützt zu sein, benötigt die junge Dame einen Hut. Letzterer wird nach der Trägerin "Bergère", also "Schäferin" genannt und ist ein Strohhut mit breiter Krempe und niedriger Krone. Schäferstock und Bergère sind auf solchen Darstellungen häufig zu finden und - kein Wunder - entwickelten sich zu modischen Accessoires:

1764, Thomas Gainsborough, Public domain, via Wikimedia Commons

Ob Schäferin oder nicht: Eine Bergére wurde im Lauf der Zeit von allen Damen und sonstigen Frauenzimmern getragen.

 

1779, Museum of Fine Arts, Boston

Zwar hütete man als Dame keine Schafe, doch der Stock tat auch beim Spazieren und Promenieren seine Dienste. Wer sich traute, trug die Röcke fußfrei - wie frivol! Die langen Spazierstöcke begleiten als Accessoires viele Modeabbildungen dieser Zeit.

Auch die Schößchenjacke, die Oberbekleidung der Bürgerin, hielt als "Caraco" Einzug in die Garderobe der besser Betuchten. Unter Verwendung edlerer Stoffe versteht sich, denn die Landliebe hat ihre Grenzen. Man möchte ja nicht wirklich wie die gewöhnliche Bürgerin herumlaufen. 

ca. 1760, geändert um 1780, via LACMA

Ich empfehle den Link zum LACMA anzuklicken. Dort können auch weitere Ansichten dieser bezaubernden Kombination bewundert werden. Und dann... nix wie ran an die Mode des Rokoko!





 

 

25 September 2022

Grüne Seidenhandschuhe für die Rokoko-Garderobe

Damit die Haut an Sonnentagen keine unerwünschte Bräune annimmt, empfiehlt es sich, Handschuhe zu tragen. Beim Stöbern in dem Buch "Costume Close-up" von Linda Baumgarten fiel ich über ein Paar fingerlose Handschuhe aus blau und weiß gerippter Seide, welche mit Leder abgefüttert und mit Seidenfäden bestickt sind.


Ich habe mich für eine grüne Seide und ein Batistfutter entschieden. Die Handschuhe sind im schrägen Fadenlauf zugeschnitten, damit sie einerseits schön am Arm anliegen und andererseits so dehnbar sind, daß man mit seiner Hand hindurchschlüpfen kann.


Die Seitennaht ist mit kleinen, dekorativen Handstichen geschlossen worden. Der Daumen wurde auf die gleiche Weise eingesetzt. Die Kanten wurden mit einem Knopflochstich umstochen, eine Stickerei im Hexenstich schmückt den Handrücken.


Fingerlose Handschuhe dieser Art wurden gerne mit zurückgeschlagener Spitze auf dem Handrücken getragen, wenn man Wert auf ein modisches Erscheinungsbild legte. 

25 September 2021

Leinenhäubchen aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts

Bei der Herstellung dieser Haube wurden Reste verwertet. Als Vorbild diente die Abbildung einer Kinderhaube aus Leinen, welche in dem Buch "What Clothes Reveal" von Linda Baumgarten zu sehen ist. Da die Haube einer Erwachsenenhaube nachempfunden ist, habe ich mich entschieden, sie zu nähen.


Die Haube ist aus Leinenbatist gearbeitet, das hintere Kopfteil wurde seitlich glatt und oben eingekräuselt angesetzt. Im Nacken befindet sich ein schmaler Tunnel mit Zugschnur, um einen guten Halt auf dem Kopf zu gewährleisten.


Um die vordere Kante herum habe ich den Rest einer alten Tüllspitze genäht. Sie wurde beim Ansetzen in den Rundungen leicht gekräuselt, damit sie schöner fällt.


10 September 2021

Ein Rokoko-Unterrock aus Leinen

Zur Ergänzung meiner Rokoko-Wäsche habe ich mir ein Unterröckchen genäht, da es doch je nach Witterung etwas kühl unten herum werden kann, erst recht, wenn die Röcke mittels Panier oder Poschen von den Beinen ferngehalten werden. 😉 In dem Buch "The History of Underclothes" von C. Willett und Phillis Cunnington bin ich sowohl auf ein Foto eines Unterrockes mit Saumrüsche um 1780 als auch auf die Abbildung einer Dame in Schnürbrust und Unterrock - ebenfalls mit Saumrüsche -  gestoßen.
 
 
Das Unterröckchen ist aus einem weißen Leinen genäht. Um der Abbildung nahe zu kommen, habe ich mich für eine Saumrüsche mit gepufftem Ansatz entschieden. Genaueres ließ sich leider nicht erkennen, aber mir gefällt diese Interpretation.



01 September 2021

Robe à la Francaise weiß mit blauem Blumenmuster

Für dieses Kleid, dessen Vorlage aus den 1770ern sich im Kyoto Costume Institute befindet, mußte ein weißer Baumwollstoff mit Blumenmuster herhalten, da er mich ein wenig an den Stoff des Originals, weißer Leinenchinz  mit blauen Pflanzenmotiven, erinnert hat. 


Im Rücken besitzt das Kleid Watteaufalten unter denen die Rückenschnürung verborgen ist. Seitlich liegt der Stoff in breiten Falten über dem Unterbau. Der Verschluß befindet sich in der vorderen Mitte.


Die Knöpfe in der vorderen Mitte des Compères sind mit Stoff bezogen. Die blaue Schleife am Ausschnitt ist abnehmbar. In den Ausschnitt ist eine kleine Rüsche aus Baumwollbatist eingesetzt.


Der Stoff für die Dekoration wurde links und rechts in Falten gelegt und dazwischen gepufft festgepunktet. Die Abschlußkanten sind mit einer selbst hergestellten Borte aus Baumwollgarn versehen.


Eine Dekoration dieser Art befindet sich auf dem Ärmel, der Jupe und dem Manteau. Die Ärmelsäume sind mit einer Stickereispitze geschmückt.


10 Dezember 2020

Wärmende Wolle für kalte Tage im 18. Jahrhundert

Wenn an kühlen Tagen ein frischer Wind weht, empfiehlt es sich die Unterarme zu bedecken. Da die Mode bei vielen Gewändern des 18. Jahrhunderts nur halblange Ärmel vorgibt, eignen sich lange Handschuhe als Kälteschutz. Diese Paar fingerloser Handschuhe ist aus dunkelblauem Wollstoff gefertigt und mit Stickereien aus hellblauem Wollgarn verziert.

Der Schnitt ist in dem Buch "Cosume Close-up" von Linda Baumgarten zu finden. Ich habe ihn schon für Handschuhe aus Seide und Batist verwendet und trage sie sehr gerne.



01 Dezember 2020

Vanillefarbene Schnürbrust 1776

Beim Blättern in "Corsets and Crinolines" von Norah Waugh fiel mir eine technische Zeichnung dieser Schnürbrust ins Auge. Es handelt sich um die Abbildung eines Schnittes aus Diderots L´Encyclopédie "Tailleur de Corps". Der Schnitt besteht aus sechs Teilen. Die Schnürbrust kann wahlweise voll- oder halbversteift gearbeitet werden. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden.


Die Schnürbrust ist aus vanillefarbener Seide gearbeitet und mit Baumwollköper unterlegt. Die obere und untere Kante sind mit blauer Seide eingepaspelt. In der hinteren Mitte wird das gute Stück geschnürt. Ich habe mich in diesem Falle für Metallösen entschieden, obwohl garnumstochene Ösen damals die Regel waren. Bei der Schnürung selbst handelt es sich um eine Spiralschnürung, die Ösen sind versetzt eingeschlagen. 


Zwei Schrägstreifen aus blauer Seide dienen der Trägerregulierung auf den Schultern. Die Trägerenden in Großaufnahme: