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15 November 2025

Ein Unterrock für das 17. Jahrhundert

Auch für das 17. Jahrhundert benötigt die Frau einen Unterrock, wenn nicht sogar zwei oder drei... Mangels erhaltener Originale war ich auf Bilder und den gesunden Menschenverstand angewiesen. So schwer kann es ja nicht sein, einen Unterrock zu nähen. 

Ich habe mich für einen cremefarbenen Leinenstoff entschieden. Die Saumrüsche ist meinen eigenen Wünschen geschuldet, da ich es schön finde, wenn die Röcke im Saumbereich minimal, aber doch etwas weiter als im Hüftbereich "abstehen". Das paßt ganz gut mit den Rocksilhouetten auf Gemälden der Zeit überein.

In der Taille ist der Stoff in Falten gelegt und ein geteiltes Taillenband angesetzt. Ich habe mich hier für die typische Rockverarbeitung des 18. Jahrhunderts entschieden, da ich auf dem Gemälde "Die Spitzenklöpplerin" von Caspar Netscher einen Tascheneingriff in der Seite des Rockes gefunden habe. 
 
Außerdem las ich in dem Buch "Accessories of Dress" von Katherine Lester und Bess Viola Oerke folgendes: "In women´s dress, pockets were hidden under the enveloping skirt. These pockets were bags of linen, lawn, dimity, chintz, calico, or other unpretentious materials worn suspended from the waist. An amusing print of Cromwell´s time (1599-1658) pictures an interested group listening with close attention to a stirring speaker, while a pickpocket lifts the skirt of a rapt woman listener and is about to rifle her hanging pocket. These pockets, though very useful accessories of this century, did not take the place of the handbag or purse but were more likely forerunner of the pocket."


 


15 Juni 2025

Ein Unterrock für die Späte Tournüre

Dieser Unterrock ist für die Tournüre ab 1885 geeignet. Ich habe ihn aus einem strapazierfähigen schwarzen Baumwollstoff genäht, und da ich es sich um ein "Frühes Werk" handelt, habe ich einen Fertigschnitt verwendet.
 
 
Die vordere Rockpartie fällt gerade und glatt nach unten, um eine schlanke Vorderansicht zu gewährleisten. Die rückwärtige Rockpartie zeichnet sich durch Mehrlänge aus, um die daruntergetragene Tournüre zu bedecken. Auf Höhe des Oberschenkels ist eine breite Rüsche angesetzt, um dem Oberrock mehr Stand zu verleihen.
 

Die Aufsäume der rückwärtigen Rüsche sehen dekorativ aus, sorgen aber auch gleichzeitig für mehr Stand. Der Rock schließt unten mit einer breiten Saumrüsche ab.
 

 

15 Dezember 2024

Eine schlichte Leinen-Chemise für das 18. Jahrhundert

Diese Chemise entstand nach vielen Vorbildern aus dem 18. Jahrhundert und ist aus einem weißen Leinenbatist genäht. Ich habe sie bewußt schlicht gehalten, um sie zu möglichst vielen Gewändern tragen zu können.

Der Ausschnitt hat eine leicht eckige Form bekommen, die sich den Ausschnittlinien der Oberbekleidung anpaßt. Er ist mit einem Schrägstreifen verstürzt worden. Die Säume der halblangen Ärmel und der Saum sind von Hand genäht.

In die Seitennaht ist ein langer Keil eingesetzt, um im Saumbereich mehr Weite zu erhalten.

Die eingesetzten Zwickel unter den Achseln sorgen für die nötige Bewegungsfreiheit. Die Nahtzugaben habe ich nach dem Zusammennähen auseinandergebügelt, eingeschlagen und mit Handstichen festgepunktet.



15 Oktober 2024

Cremefarbenes Jabot mit Spitze

 
 
 
Dieses hübsche Jabot ist aus cremefarbenem Baumwolltüll gefertig und mit passender Spitze geschmückt. Es handelt sich um ein altes Original, das den Weg zu mir gefunden hat.
 
 
Gehalten wird das Jabot durch einen angesetzten Stehkragen. Im unteren Bereich finden sich zwei Biesen, darüber wurde eine Spitze gesetzt. In der hinteren Mitte wird der Kragen mit Haken und kleinen Garnstegen geschlossen.
 
 
 
Der Tüll für das Jabot wurde glockenförmig zugeschnitten und an der oberen Kante in Fältchen gelegt. In der vorderen Mitte wurde ein Teil der Spitzenborte im senkrechten Verlauf aufgesetzt.
 

Die äußere Kante des Jabots schließt mit der cremefarbenen Spitze ab, und auch hier wurden an dem unteren Ende  drei Biesen abgenäht. 



15 September 2024

Mehr Volumen im Biedermeier: Der Schnurrock

Damit die Röcke in der Biedermeierzeit sich voluminös gestalten ließen, griff man damals auf mehrere Unterröcke zurück. Und um dem Ganzen noch mehr Stand zu verleihen, trug man unter anderem einen Schnurrock. 

 
Dieser Rock ist nach den historischen Vorbildern aus einem cremefarbenen Baumwollstoff angefertigt. 25 eingenähte Baumwollschnüre geben ihm ausreichend Festigkeit. Der Stoff wurde in der Taille in Falten gelegt.  


Ohne Dekoration geht es bei mir selten und deshalb habe ich den Saum mit einer cremefarbenen Klöppelspitze besetzt. 😊


15 August 2024

Eine Chemisette mit Fichukragen aus den 1830ern

Für eines meiner Tageskleider (klick mich) aus den 1830er Jahren benötigte ich etwas Ergänzendes für die Schultern und zur Verdeckung des Dekolletés. Nancy Bradfield hat in ihrem Buch "Costume in Detail" ein doppellagiges Fichu aus weißem, besticktem Musselin von ca. 1833 - 1835 skizziert, welches mir passend erschien. 

Aus Zeitgründen habe ich mich entschlossen auf die Stickerei zu verzichten, aber meine Spitzenkiste hat noch eine Stickereispitze aus Baumwolle hergegeben, die gut zu meinem weißen Baumwollstoff, den ich verwenden wollte, paßte.

Außerdem beschloß ich, das Fichu als Kragen an eine Chemisette zu nähen, in der Hoffnung, daß es beim Tragen weniger Eigenleben entwickelt. Die Chemisette ist auf übliche Art genäht, hat in der vorderen Mitte einen Knopfverschuß mit kleinen Perlmuttknöpfen und ein Bindeband in der Taille. Der Fichukragen ist am Halsloch angesetzt. 


 

15 April 2024

Ein Unterkleid für die Frühbiedermeier-Garderobe

Ab ca. 1815 bekommen die Kleider zum Saum hin ein wenig Stand. Die Saumdekorationen nehmen zu und so können die Röcke auch ein wenig Unterstützung durch die Unterwäsche gebrauchen. 

Das Unterkleid ist aus einem weißen Baumwollstoff gefertigt. Der Rock ist unter der Brust angesetzt und dort in Falten gelegt. Im Rücken wird das Kleid mit Knöpfen geschlossen.

Der Saum bekommt durch eine aufgesetzte Rüsche, 4 eingenähte Schnüre und zwei breitere Aufsäume zusätzlichen Stand. 



15 Januar 2024

Wenn man Langeweile hat...

... könnte man die Zeit mit Stickarbeiten ausfüllen. 

Dieses Fichu für meine Empire-Garderobe hat mich sehr viel Zeit und Nerven gekostet. Über viele Jahre hinweg habe ich immer mal wieder daran gestickt und es nach einigen Stunden zur Seite gelegt, um es dann nach ein oder zwei Jahren erneut hervorzuholen. Dabei hatte ich mich zu Beginn, inspiriert durch ein Buch mit Stickmustern ("Needlework Patterns in the Era of Jane Austen" von Jody Gayle), voller Begeisterung auf diese Arbeit gestürzt. Leider benötigt man bei Weißstickereien einen sehr langen Atem und viel Geduld.  

Das Fichu ist aus einem cremefarbenen Baumwoll-Musselin zugeschnitten. Für die Stickereien habe ich ein weißes Stickgarn aus Baumwolle verwendet.

In der Stickerei habe ich den Platt- und den Stielstich verwendet. Die äußere Kante ist mit einem Knopflochstich umstochen.

Bis auf einige Unebenmäßigkeiten in der Stickerei bin ich mit dem Fichu ganz zufrieden und auch ein bißchen stolz darauf, daß ich die Stickerei nach diesen vielen Jahren überhaupt beendet habe. 


05 Dezember 2023

Ein altes Nachthemd aus dem Familiennachlaß

 
In den vergangenen 20 Jahren sind bei Haushaltsauflösungen, die in jeder Familie öfter vorkommen sollen, viele Dinge wie Bett- und Tischwäsche, Weißzeugs aller Art sowie Näh- und Knopfkisten bei mir gelandet. 
 
Dieses alte Nachthemd befand sich ebenfalls bei einer Haushaltsauflösung dabei. Leider kann ich nicht sagen, wer es denn beim Schlummern in einem hoffentlich gemütlichen Bett getragen hat, aber ich halte es trotzdem in Ehren.    
 

Das Nachthemd ist aus einem dünnen Baumwollstoff mit Maschine gefertigt. Da der Stoff überall gleich zart ist, gehe ich davon aus, daß das Hemd von Anfang an so war und nicht im Laufe der Zeit durch Abnutzung "dünn geschlafen" wurde.

Der Schnitt von Vorder- und Rückenteil ist zum Saum hin nur leicht ausgestellt, was mir persönlich zu eng wäre. Ich benötige schon ein wenig mehr Bewegungsfreiheit.

Der Kragen ist mit einer zarten Spitze aus Baumwollstickerei verziert, die an den Ecken liebevoll und sorgfältig zusammengesetzt wurde.

Die Knopfleiste in der vorderen Mitte wurde ebenfalls mit der gleichen Spitze besetzt.


Die langen Ärmel enden in einer mit Spitze dekorierten Manschette.


Insgesamt ist das Nachthemd sehr gut erhalten. Lediglich ein paar kleine Stockflecken sind hier und da zu finden.


25 September 2023

Ein Unterrock für die Frühe Tournüre

Einer meiner ersten Unterröcke, die ich für meinen historischen Kleiderschrank genäht habe, ist dieser Unterrock für die frühe Tournürenzeit. Er entstand nach einem gekauften Schnittmuster und wurde aus alten Baumwoll-Bettlaken genäht.

 
Der obere Teil des Rockes ist in Bahnen geschnitten, auf Kniehöhe setzt eine breite Rüsche an, die wiederum mit einer Saumrüsche abschließt.
 

 Fünf Aufsäume geben zusätzlichen Stand und sehen zudem auch noch dekorativ aus.
 

 

15 September 2023

Beinkleider: Ein wichtiges Kleidungsstück im Wäscheschrank

Diese Beinkleider habe ich für meine Gründerjahre-Unterwäsche aus weißem Baumwollbatist genäht. Die beiden Hosenbeine werden mit einer in der vorderen Mitte spitz zulaufenden Passe zusammengehalten.

Die Schnittnaht ist geöffnet, in der hinteren Mitte wird die Hose mit einem Knopf geschlossen.

Der Saum ist mit kleinen Aufsäumen und einer Baumwollstickereispitze verziert.


 

05 September 2023

1872 - Blick in den Wäscheschrank

In den Modemagazinen wurde üblicherweise zur Sommerzeit Inspirationen zur Ergänzung und Erneuerung der Leibwäsche, Nachtwäsche, etc. veröffentlicht. Wir werfen heute einen Blick zurück ins Jahr 1872 und zeigen einige Darstellungen aus "Der Bazar":

Damenhemd aus Leinwand mit Passe aus point-lace-Band und Spitzen-Einsatz

Damenhemd aus Leindwand mit Stickerei

Damenbeinkleid aus Leinwand mit Bündchen

Damennachthemd aus Shirting und Stickerei


Nachthaube aus Shirting

Nachtjacke aus Shirting mit weiten Ärmeln
Morgenrock aus gelblicher Leinwand




05 Juni 2023

Ein Unterrock zum Krinolinenkleid

Unterröcke hatten in der Zeit um 1860 gleich mehrere Aufgaben. Zunächst trug man sie traditionell aus Anstandsgründen, dann um Volumen zu erzeugen und nicht zuletzt verhinderten sie das unschöne Durchdrücken der Krinoline auf den Oberstoff. Die Krinoline sorgte zwischenzeitlich zwar für das gewünschte üppige Volumen und machte zwar das Tragen wirklich vieler Unterröcke wie zu Zeiten des Biedermeier überflüssig, trotzdem war es nicht völlig obsolet, mehrere Unterröcke zu tragen.

Mein Unterrock kommt momentan jedoch alleine daher. Er ist dafür gedacht, direkt unter dem Oberrock getragen zu werden und hat aus diesem Grund als Abschluss eine schöne Spitze, damit es schön aussieht, wenn er doch mal hervor blitzt. Gefertigt wurde der Rock aus einem Baumwollbatist in 5 Metern Länge. 

 


Die Spitze war beidseitig and den Kanten bestickt, was zwar die doppelte Menge an Spitze bedeutete, mich aber bei der Nutzung der Breite einschränkte. Um die gewünschte Länge für den Rock zu erhalten setzte ich daher oben am Rock einen anderen Stoff an. Kurzzeitig dachte ich darüber nach, die übrige Spitze in einer zweiten Reihe nochmals anzusetzen, verwarf diesen Gedanken dann aber wieder. Der Rock ist meiner Meinung nach gut, so wie er ist.

 

25 Januar 2023

Ein altes Beinkleid

Heute möchte ich Euch ein paar Bilder einer alten Unterhose zeigen. Dieses gute Stück ist mir in einem Trödelladen vor gefühlten 30 Jahren zugelaufen, als ich dort interessiert einen Stapel mit alter Bettwäsche musterte. Ich besaß noch keine Näherfahrungen im Bereich historischer Mode, aber ich sammelte damals eifrig alte Bettwäsche zum Vernähen für alle möglichen Projekte, um nicht viel Geld im Stoffladen ausgeben zu müssen.
 
Aus besagtem Stapel schaute ein Stück Spitze hervor, welches meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich das Stück Stoff, an dem die Spitze befestigt war, als Beinkleid. Amüsiert über diese "Kuriosität" nahm ich die Hose mit. Dabei mußte ich unwillkürlich darüber nachdenken, daß ich auf keinen Fall möchte, daß meine alte Unterwäsche in Jahrzehnten einmal in einem Trödelladen angeboten wird. 😉   

Da ich keine studierte Fachfrau in Sachen historischer Kleidung bin, werde ich mich hier mit einer genauen Zeit- bzw. Epocheneinschätzung zurückhalten und die Bilder für sich sprechen lassen.
 
 

Das schlichte Beinkleid ist aus einem dicht gewebten Baumwollstoff mit der Nähmaschine angefertigt worden. Die rückwärtige Klappe läßt sich mit Hilfe zweier Knöpfe befestigen. 

Im Rücken wird die Hose mit drei Wäscheknöpfen und handgestickten Knopflöchern geschlossen. Zur Verstärkung wurde hier der Stoff doppelt verarbeitet. Schnitte dieser Art findet man in "Das Buch der Wäsche" von Brigitta Hochfelden und Marie Niedner.

Die Säume der Hosenbeine sind mit einer gut erhaltenen Stickereispitze aus Baumwolle besetzt. Nur am rechten Hosenbein gibt es einen kleinen Riß, der sich jedoch leicht reparieren ließe.


Ein Hinweis auf die ursprüngliche Besitzerin: Das gestickte Monogramm zeigt die Buchstaben M und S.


Obwohl mir die Hose paßt und sie insgesamt sehr gut erhalten ist, bin ich noch nicht auf die Idee gekommen, sie zu meiner historischen Garderobe zu tragen. Ob ich das ändern sollte?