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15 September 2024

Mehr Volumen im Biedermeier: Der Schnurrock

Damit die Röcke in der Biedermeierzeit sich voluminös gestalten ließen, griff man damals auf mehrere Unterröcke zurück. Und um dem Ganzen noch mehr Stand zu verleihen, trug man unter anderem einen Schnurrock. 

 
Dieser Rock ist nach den historischen Vorbildern aus einem cremefarbenen Baumwollstoff angefertigt. 25 eingenähte Baumwollschnüre geben ihm ausreichend Festigkeit. Der Stoff wurde in der Taille in Falten gelegt.  


Ohne Dekoration geht es bei mir selten und deshalb habe ich den Saum mit einer cremefarbenen Klöppelspitze besetzt. 😊


15 August 2024

Eine Chemisette mit Fichukragen aus den 1830ern

Für eines meiner Tageskleider (klick mich) aus den 1830er Jahren benötigte ich etwas Ergänzendes für die Schultern und zur Verdeckung des Dekolletés. Nancy Bradfield hat in ihrem Buch "Costume in Detail" ein doppellagiges Fichu aus weißem, besticktem Musselin von ca. 1833 - 1835 skizziert, welches mir passend erschien. 

Aus Zeitgründen habe ich mich entschlossen auf die Stickerei zu verzichten, aber meine Spitzenkiste hat noch eine Stickereispitze aus Baumwolle hergegeben, die gut zu meinem weißen Baumwollstoff, den ich verwenden wollte, paßte.

Außerdem beschloß ich, das Fichu als Kragen an eine Chemisette zu nähen, in der Hoffnung, daß es beim Tragen weniger Eigenleben entwickelt. Die Chemisette ist auf übliche Art genäht, hat in der vorderen Mitte einen Knopfverschuß mit kleinen Perlmuttknöpfen und ein Bindeband in der Taille. Der Fichukragen ist am Halsloch angesetzt. 


 

15 Juli 2023

Cremefarbene Spitzenhandschuhe für das 19. Jahrhundert

Diese fingerlosen Spitzenhandschuhe trage ich sehr gerne zu Ballkleidern aus dem 19. Jahrhundert. Sie sind epochenübergreifend einsetzbar. Ich bin auch schon über Originale aus dem 18. Jahrhundet gestolpert. Wenn das keine Gründe sind, solch ein Paar zu nähen.

Für diese Anfertigung mußte ein Schnitt aus dem 18. Jahrhundert herhalten. Ich habe das Muster der Handschuhe aus "Costume Close-up" von Linda Baumgarten verwendet und ein wenig abgeändert. Die Handschuhe wurden aus zwei unterschiedlich breiten Tüllspitzen zusammengesetzt und besitzen einen angesetzten Daumen. Zum Glück ist der Tüll ein wenig elastisch, so daß ich keine Probleme beim Anziehen bekomme. Ein Zuschnitt im sonst üblichen schrägen Fadenlauf bot sich hier stoffbedingt nicht an. Die zugeschnittenen Teile wurden mit feinen Handstichen zusammengefügt.

 

25 August 2022

Tutorial (reloaded): 1828er Ärmelstützen/1828s sleeve puffs

The Tutorial is below the description and is including an English translation. 😊

Damit die Riesenärmel der Zeit um kurz vor 1830 nicht einfach traurig nach unten hängen, sollen sie etwas Unterstützung erfahren. Ärmelpolster sind angesagt! Nach etwas Recherche und Rumprobiererei habe ich mir ein Paar angefertigt, in der Größe moderat.


Als es an die Befüllung ging und das hierfür angedachte Federkissen sein Leben lassen sollte, wurde ich feige. Irgendwie hatte ich Befürchtungen, daß die Federn unkontrolliert im Zimmer herumfliegen und auch noch nach Wochen aus unzugänglichen Ritzen wieder auftauchen. Außerdem glaube ich, daß die kleinen Federkiele durchpieksen, denn so dicht gewebt wie ein Inlett-Stoff bei Kissen ist mein einfacher Baumwoll-Stoff nicht. Also wich ich kurzerhand auf Wolle aus, die damit nicht im Spinnrad sondern in den Ärmelpolstern landete. Könnte natürlich sein, daß sich die Wolle in einiger Zeit in einen Filzklumpen verwandelt. Aber nachdem die Ärmelpolster nicht den Belastungen des täglichen Tragens ausgesetzt sind, werden sie schon eine Weile halten, denke ich.

Stellt sich noch die Frage: Wie und wo werden die Dinger befestigt? Einige Abbildungen verraten, daß die Ärmelpolster ans Korsett zu binden waren. Sympathischer jedoch ist mir die Methode, die in "Costume in Detail" (das Buch hat sich zu meinem bevorzugtem Nachschlagewerk für dieses Projekt entwickelt) auf Seite 156 gezeigt wird. Danach sind die Bänder zur Befestigung der Ärmelpolster direkt im Kleid/am Ärmel angebracht. So werde auch ich es handhaben.

Hier ein kleines Tutorial zur Herstellung der Ende der 1820er bis Mitte der 1830er unerlässlichen Ärmelstützen. Dieses Tutorial veröffentlichte ich bereits vor einigen Jahren in einem inzwischen stillgelegten Blog. Weil es nicht mehr abrufbar ist dachte ich, dass es eine gute Idee ist, das Tutorial hier wieder zugänglich zu machen. 

Als Vorlage diente ein Stück aus der V&A Collection . Diese Ärmelstützen sind unmittelbar am Ärmel des Kleides zu befestigen, wie auch in "Costume in Detail" auf Seite 156 erwähnt wird.

Today a little tutorial for making sleeve puffs, which were absolutely neccessary to support the big sleeves between the end of the 1820s and the mid-1830s. I blogged this tutorials several years ago on my old blog, which now does not exist any more and I thought it would be a good idea to blog it again now. 

I found a picture from the V&A collection and tried to make some like that. These kind of sleeve puffs were fastened inside the dresses armholes with tape-ties, like mentioned in "Costume in Detail" at page 156 as well.

Es bietet sich an, die Stützen nacheinander - oder vorweg ein Probeteil - zu nähen. So kann man bei einer Anprobe gut erkennen, ob die gefertigten Maße ausreichen oder man für opulentere Ärmel auch größere Stützen braucht. Die von mir genähten Stützen sind moderat, da ich sie für ein ca. 1828er - 1830er Kleid benötigte. Für größere Ärmel, wie in den Mitt-1830ern würde ich eine andere Unterstützung empfehlen. Doch genug geredet - jetzt geht´s los!

It makes sense to sew first one sleeve puff and than the second - or to make a mock up first. Then you can see, whether it has the right size - or if it has to be bigger. The sleeve puffs I had sewn are moderate, the right size for 1828s to1830s dresses. For bigger sleeves of the mid-1830s I would recommend another support. But enough talking - let´s start!


Benötigtes Material:

  1. Baumwolle, dicht! gewebt, 60 x 70 cm
  2. dünnes Baumwollband, 1,20 Meter
  3. Füllmaterial, z.B. Daunen oder Schafwolle
Nahtzugabe von 1cm ist enthalten

Required material:
  1. cotton, tightly! woven, 60 x 70 cm
  2. thin cotton tape, 1,20 meter
  3. stuffing like down-feathers or lambswool
 The pattern contains a seam allowance of 1 cm.



Du siehst, meine Schnitteile sehen nicht 100% wie die Vorlage aus. Das stört nicht. Die Maße brauchen nicht auf den Millimeter genau mit den Angaben überein zu stimmen. Doch in etwa sollte die aufgezeichnete Form dabei heraus kommen (und vielleicht etwas besser gebügelt) ;-)

As you can see, my pieces don´t look exactly like the diagram. But that doesn´t matter. You don´t have to work too pernickety, at least the shape of the pieces should be approximately right (and maybe better ironed than mine) ;-)

  • Markiere bei beiden Teile die Mitte.
  • Dann reihe bei Teil 1 die zuerst die obere, dann die untere Kante zwischen den Markierungen ein.
  • Stecke an Teil 2 drei ca. 20cm lange Baumwollbänder an den markierten Stellen fest. Nach oben sollte ein Stück über stehen, der lange Teil des Bandes sollte nach innen zeigen.***Hinweis: Als ich die Ärmelstützen erstmals anlegte, fand ich den Effekt besser, wenn ich sie genau andersherum trug. Daher entfernte ich die Bänder später nochmal und nähte sie an der ehemals unteren Seite fest. Entscheide einfach selbst, was Dir besser gefällt. Wenn Du Dich jetzt noch nicht entscheiden kannst, dann nähe die Bänder erst am Schluß an :-)
  • Lege Teil 1 auf Teil 2, die rechten Seiten innen. Stecke die Teile zunächst in der Mitte aneinander fest, dann an den Seiten. Nun passe Teil 1 an Teil 2 an und stecke beide Teile aufeinander fest. Das Ganze müsste nun so aussehen:
  • Mark the middle at both pieces
  • Gather first the upper and and then the lower edge of piece 1 between the red marks
  • Pin tree 20cm long cotton tapes at the blue marks of piece 2, the long side leading downwards *** Remark: When I put on the finished sleeve puffs, I liked them more, when I wore them with the lower side above. Therefore I removed the tapes and sewd them at the former lower side. Feel free to sew the tapes at the upper side or below - where you want! If you cannot decide it now, sew them at the end :-)
  • Place piece 1 on 2 with right sights together, matching the centers and the sides. Now make piece 1 fit at piece 2 and pin them togehter. The whole thing now has to look like that: 
  • Nähe die zuerst die oberen, dann die unteren Kanten zwischen den Markierungen zusammen. Achte darauf, dass die Bänder hierbei nur an den Stellen vernäht werden, an denen dies auch geplant ist.
  •  Entferne die Stecknadeln und wende das Innere des Stoffschlauchs nach außen.
  • Steppe die Teile an der im folgenden Bild gezeigten Stelle zusammen. Dies wird verhindern, daß sich das Füllmaterial nicht zu sehr unter den Arm verteilt sondern außen bleibt.
  • Sew the upper edge between the marks. Repeat this with the lower edge. Be carefull to sew the tapes only where they should be sewn. 
  • Take away the pins and turn inside out.
  • Sew the pieces together as shown in the picture below. This will prevent the filling from moving.
  • Nun wird ausgestopft! Das Füllmaterial (ich habe hierfür Schafwolle verwendet, üblich waren auch Daunen) wird durch die dafür vorgesehene Öffnung nach innen geschoben.
  • Dann wird die Öffnung geschlossen, indem zunächst eine weitere Naht quer über das Nähgut erfolgt. Danach wird die obere Kante vernäht (siehe Pfeile auf dem nachfolgenden Foto)
  • Now we fill in the stuffing (I used lambswool - down-feathers were usually, too) through the gap.
  • Next, you have to close the gap as shown at the following photo. Make again a seam across the pieces. Then close the upper edge .
  • Im letzten Schritt wird die Ärmelstütze an den Oberarm angepasst (nicht zu eng!) und die noch offenen Seiten mittels einer Kappnaht miteinander vernäht. Fertig! Ich hoffe alles hat gut funktioniert und Du kannst Dich an Deinen neu genähten Ärmelstützen erfreuen. :-)

  • Last step! Fit the sleeve puff to your upper arm (not too tight!) and sew the sides together with a French seam. Finished! I hope everything went well and you are happy with your new sleeve puffs. :-)

15 August 2022

Modeillustrationen: 1828 - Journal des Dames et des Modes

Gegen Ende der 1820er Jahre erreicht das Übermaß wieder einmal einen Höhepunkt. Die Illustrationen der Zeitschrift "Journal des Dames et des Modes" zeugen davon. Oft weiß das Auge nicht, wohin es zuerst blicken soll und ist mit der sich bietenden Ansicht fast überfordert. 

Keine Spur mehr von der klassischen Schlichtheit der Roben zu Beginn des Jahrhunderts, nun wollten die Schneider zeigen, was alles möglich ist. Üppigkeit war angesagt, vor allem am Oberkörper mit den größer werdenen Oberärmeln und einer betont breiten Schulterpartie und dem verzierten Rocksaum. Offenbar wollten die Modisten und Putzmacher dem in nichts nachstehen - auch die Hüte sind ein Blickfang für sich, mit großer Krempe und reicher Auszier. 

Die Taille sitzt bei der Kleidung inzwischen wieder da, wo sie auch naturgemäß zu finden ist. Zwischen den breit-betonten Schultern und den immer weiter werdenen Röcken wird es zum Ideal, sie besonders schmal wirken zu lassen. Breite Gürtel, entweder gerade geschnitten oder spitz zulaufend mit Schneppe betonten diese Körperstelle. 

Kokett war man bei der Länge der Röcke: Fußfrei war angesagt!





Die zuletzt gezeigten Bilder demonstrieren, dass doch auch verhältnismäßig schlichte Roben zu sehen waren. Wahrscheinlich blieb das Übermaß an Dekoration zunächst der ungestümen Jugend vorbehalten, während sich die Älteren in Zurückhaltung übten. Alles wie immer. Mode muss eben auch altersgemäß passen.


05 August 2022

Schnurrock für die Mode um 1828

Im Lauf der 1820er nimmt die Entwicklung der  Röcke von der A-Linienform zur späteren Kuppelform Fahrt auf. Die Röcke nehmen stetig an Weite zu und wollen gestützt werden. Hilfreich waren zu diesem Zweck Unterröcke, welche mit Schnur verstärkt waren und somit für etwas mehr Volumen sorgten.

Um die Schnüre in den Stoff zu bekommen, kann man auf zweierlei Art vorgehen. Man kann die Schnüre paspelmäßig im Stoff vernähen oder sie sandwichartig zwischen zwei Lagen von Stoff einnähen. In diesem Fall hatte ich mich für die zweite Art entschieden. In meinem Stofflager war ein Stück Baumwollstoff in zufälliger Länge von 1,75m vorhanden, dieser wurde entsprechend bearbeitet.

 

Die Fertigung des Rocks besteht hauptsächlich aus der stupiden Festnäherei der Schnüre. Also total einfach. Und genau das Richtige, wenn man gerade weder die Zeit noch den Kopf hat, sich in kompliziertere Abläufe rein zu denken.


Insgesamt 61 Reihen befinden sich am Rock. Eine 10er-Reihe und drei 17er-Reihen - das sind die Zahlen, die sich zufällig beim Verbrauchen der Schnurrollen ergeben haben. Benutzt hatte ich Paketschnur. Bei der 10er Reihe hatte ich restliche vorhandene Schnur eingenäht, welche einen Durchmesser von ca. 2mm hatte, danach arbeitete ich mit einer Schnur mit etwa 1,5mm Stärke. Beide Schnüre waren okay, aber empfehlen würde ich eindeutig die Dünnere. Als minimale Verzierung bestickte ich die Lücken zwischen den Schnurreihen mit jeweils einer einfachen Reihe Kettstich.

Und hier nun das Endergebnis, voilá:


Der Umfang beträgt 1,65m und bildet eine schöne Grundlage für eine 1828er Silhouette. Ergänzt wird der Unterbau durch das Zufügen einiger Unterröcke, welche das Volumen noch etwas vergrößern. Für die Mode des späten Biedermeier, bei der die Röcke noch mehr an Umfang und somit auch Gewicht zunehmen, wird der gezeigte Schnurrock jedoch nicht ausreichen. Hierfür wäre ein Schnurrock mit mehr Weite notwendig. Um die Standfestigkeit zu erhöhen, kann der Schnurrock noch zusätzlich mit Wäschestärke versteift werden.  

 

25 Juni 2022

Musselin-Häubchen aus den 1820ern

Und wieder mußte ein Vorbild aus "Costume in Detail" von Nancy Bradfield herhalten. Es handelt sich um ein Häubchen aus der Zeit von 1820 - 1830. Das Original ist aus Tüll gefertigt und mit einer Rüsche aus Tüllspitze entlang der Außenkante dekoriert.



Mein Häubchen ist aus cremefarbenem Baumwoll-Musselin genäht. Das eingekräuselte Kopfteil habe ich zusätzlich mit einer Lage Seidenorganza unterlegt, damit es etwas mehr Stand bekommt. Die Tüllspitze mußte ich aus mehreren Reststückchen zusammensetzen, aber sie hat für die Außenkante gereicht. 😊

25 März 2022

Ein Geldstrumpf für das biedermeierliche Vermögen

Für den stilechten Auftritt ist es schöner, wenn man unterwegs beim Bezahlen einer Rechnung nicht den zeitgenössischen Geldbeutel zücken muß, und da ich zur Zeit vom Häkeln nicht genug bekommen kann, habe ich mich an einem schlichten Geldstrumpf zur Vervollständigung meiner Biedermeier-Ausstattung versucht. So schwer schien mir dieses Projekt beim Betrachten vieler Originale nicht umzusetzen zu sein. Außerdem erfreut es mich immer, wenn ich zwischendurch auch einmal ein kleines Teil schnell fertig bekomme.

Ich habe ein feines dunkelgrünes Baumwollgarn verwendet. Die Enden sind jeweils aus festen Maschen, die Mitte mit dem Schlitz aus Stäbchen gehäkelt. Das eckige Ende ist mit einer Fransenkante und honigfarbenen Glasperlen geschmückt, das runde Ende mit einer Quaste und einer einzelnen Glasperle. Zwei Metallringe dienen zum Verschließen.

 

25 Dezember 2021

1830er Cape aus grünem Wollstoff

Nach einem Modebild aus den 1830ern entstand dieses Cape aus grünem Wollstoff. Innen ist es mit der hellgrünen Seide abgefüttert, die auch auf der Außenseite in den dekorativen Elementen wieder auftaucht.


Der Rücken wird mit Hilfe eines Taillenbandes, das auf der Innenseite des Capes angenäht ist, in Form gebracht.


 Am Hals wird das Cape in der vorderen Mitte mit einem Haken und einer Öse geschlossen.


 Das Vorderteil endet unten in einer runden, geschwungenen Form.


Der Saum hat eine Bogenkante bekommen, die Kante selber wurde mit einem Schrägstreifen aus hellgrüner Seide eingefaßt. Darüber befindet sich ein weiteres Seidenband, das parallel zum Saum aufgesetzt ist.


 Die bogig verlaufende Saumkante des Kragens ist ebenfalls mit einem Schrägstreifen eingefaßt.


15 Dezember 2021

Roséfarbener Samtbeutel zur Ergänzung der Biedermeier-Garderobe

Handtäschchen und Beutel kann man nie genug haben, es gibt immer Kleinigkeiten, die irgendwo untergebracht werden wollen, so auch in anderen Modeepochen.


Der Beutel ist aus roséfarbenem Seidensamt genäht und mit einer beigefarbenen Seide abgefüttert. Die Öffnung ist mit einer Tüllspitze dekoriert.


Auf der Außenseite des Beutels sind vier gekräuselte Schrägstreifen aus Seide aufgesetzt. Die Naht wird von einem schmalen Samtband verdeckt.


Der Boden ist doppellagig, mit Karton verstärkt und läßt sich öffnen. Gehalten wird die Bodenklappe von drei handgestickten Ösen und drei Perlen, die die Funktion von Kugelknöpfen übernehmen.


Und so hat man immer einen Spiegel griffbereit. Gesehen habe ich den eingebauten Spiegelboden bei einem Täschchen aus den 1830ern und die Idee bei diesem Beutel aufgegriffen.

05 November 2021

Chemisette & Fichu zur Ergänzung der 1830er-Garderobe

Janet Arnold zeigt in ihrem Buch "Patterns of Fashion I" verschiedene Chemisettes aus unterschiedlichen Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Zur Ergänzung meiner Garderobe habe ich mir das Modell von ca. 1828 - 1835 ausgesucht, welches aus weißem Batist gearbeitet wurde.


Ich habe mich für einen zarten cremefarbenen Musselin entschieden. In der vorderen Mitte wird die Chemisette oben mit Haken und Öse und unten mit dem Bindebändchen geschlossen.


Der Doppelkragen endet mit einer handgesäumten Faltenkante.


Und weil die Chemisette relativ schlicht ist, habe ich mir erlaubt, noch ein doppeltes Fichu zu ergänzen. In den 1830ern dürfen gerne noch die breiten Schultern der Zeit etwas mehr betont werden. 😉


Die Saumgestaltung ist von der Chemisette übernommen. Das Vorderteil besitzt die zu der Zeit sehr modernen, lang herabhängenden Enden, im Rücken sieht das Ganze jetzt wie ein Vierfach-Kragen aus.


25 Oktober 2021

Biedermeier: Ein kleiner "Weiberspeck"

Auch im Biedermeier benötigen die Röcke ein wenig Unterstützung, um den optisch richtigen Winkel im Übergang von der Taille zur Hüfte zu erhalten. In dem Buch "Costume in Detail" von Nancy Bradfield war die Lösung des Problems skizziert: Ein kleiner Weiberspeck aus weißem Baumwollstoff, datiert auf den Zeitraum von 1825 bis 1835.

   
Meine Variante habe ich aus einem Rest cremefarbener Baumwolle gefertigt. Unter dem ausgestopften Röllchen sitzen zwei unterschiedlich lange Rüschen, die einen fließenderen Übergang zum Rock ermöglichen. Das Taillenband des Originals wird vorne mit einem Knopf verschlossen, ich habe mich jedoch für die Schleifenvariante entschieden, um in der Taillenweite etwas flexibler zu sein.



15 Oktober 2021

1830er: Ein Biedermeier-Tageskleid

Nach Vorlage eines Originalkleides aus den 1830ern ist dieses Kleid genäht. Das Muster des Baumwollstoffes ist ebenfalls einem Originalstoff nachempfunden und erwies sich als Glücksgriff.


Der Haken- und Ösenverschluß befindet sich in der hinteren Mitte. Der Rocksaum endet oberhalb der Knöchel.


Auf das Vorderteil wurde ein extra Schnitteil im schrägen Fadenlauf gesetzt.


Die Nähte im Rückenteil sind mit dem lilafarbenen Baumwollstoff gepaspelt, aus dem auch der Gürtel gefertigt ist. Der Rock ist in der Taille in Fältchen gelegt.


Der Ärmel wurde an der Einsatznaht ebenfalls in Fältchen gelegt und von Hand in das Armloch gesetzt.


Die Ärmelabschlüsse:
Da ich mir lange Zeit nicht sicher war, wie ich die Ärmelsäume dekorieren möchte, ist nun Folgendes entstanden: Der schlichte Ärmel hat eine Tüllspitze untergesetzt und ein lilafarbenes Band aufgesetzt bekommen. Zusätzlich habe ich breite, abnehmbare Stulpen aus demselben Stoff genäht, die man nach Wunsch tragen oder weglassen kann.