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15 Oktober 2025

Das 17. Jahrhundert - ein Hüftkissen/ Weiberspeck

Je weiter man in der Zeit zurück schreitet, desto schwieriger wird es, erhaltene Kleidungsstücke zu finden. Und so ist man gezwungen auf andere Arten hinter Geheimnisse zu kommen, Bilder zu interpretieren oder anderweitig kreativ zu werden. Ich vermute mal, daß ich mit diesem Problem nicht allein dastehe. 😉

Eines stand fest: Auch im 17. Jahrhundert mußte irgendetwas unter die Röcke, um einen passenden Übergang von der Taille zur Hüfte zu bekommen. Einen ausgestopften Weiberspeck in "Fleichwurst-Ringform" kam für mich nicht in Frage, da die Silhouette der Röcke im Hüftbereich in meinen Augen eher kuppelförmig ist. Letztendlich fand ich in einem der Bücher "Period Costume for Stage & Screen" von Jean Hunnisett ein flacheres Hüftkissen, welches Masse aufbaut, den Röcken aber noch einen ebenmäßigen Fall ab der Taille erlaubt.

Das Kissen ist aus Leinen genäht und mit mehreren Lagen Volumenvlies gefüllt. Damit das Vlies nicht verrutscht, habe ich es mit einigen Handstichen durchgepunktet. Das Taillenband wird in den vordern Mitte gebunden. Im Laufe der Zeit mußte ich in Sachen Volumenvlies schon "nachrüsten" und das Kissen überarbeiten, da die schweren Röcke es schon flach gedrückt hatten. Aber insgesamt bin ich mit diesem Unterbau sehr zufrieden.



 

15 Mai 2025

Ockerfarbene Tournüre um 1885

Den Schnitt für diese späte Tournüre habe ich aus den Büchern "Period Costume for Stage & Screen" von Jean Hunnisett herauskopiert und weiter entwickelt. Sie ist aus einem ockerfarbenen Leinen-Baumwolle-Gemisch genäht und leicht und angenehm zu tragen. 

In den Tunneln befindet sich Stahlfederband. Die Stäbe werden auf der Innenseite mit einer Schnürung in Form gebracht.

Die Faltenreihe am unteren Ende ist unterschiedlich breit, da ich nach einem Spaziergang mit Mina bei feuchtem Wetter angefangen habe, den Stoff trocken zu bügeln. Bei der Hälfte angekommen, stellte ich mit Schrecken fest, daß der Stoff extrem einläuft, obwohl er vorgewaschen war. Schlau wäre es gewesen, den Rest auch noch zu bügeln, aber so habe ich ein Andenken an diesen schönen Tag. 😉

 

15 September 2024

Mehr Volumen im Biedermeier: Der Schnurrock

Damit die Röcke in der Biedermeierzeit sich voluminös gestalten ließen, griff man damals auf mehrere Unterröcke zurück. Und um dem Ganzen noch mehr Stand zu verleihen, trug man unter anderem einen Schnurrock. 

 
Dieser Rock ist nach den historischen Vorbildern aus einem cremefarbenen Baumwollstoff angefertigt. 25 eingenähte Baumwollschnüre geben ihm ausreichend Festigkeit. Der Stoff wurde in der Taille in Falten gelegt.  


Ohne Dekoration geht es bei mir selten und deshalb habe ich den Saum mit einer cremefarbenen Klöppelspitze besetzt. 😊


05 Juli 2023

Der Luftrock aus dem Jahr 1856

Eine wunderbare und zugleich kuriose Entdeckung machte ich bei der Lektüre einer Ausgabe der Zeitschrift "Der Bazar" aus dem Jahr 1856. Es war von einem "Luftrock" die Rede, einer absonderlichen Variante der Krinoline, die sich findige Tüftler hatten einfallen lassen. Total skuril! Sofort war mir klar, dass ich diesen Luftrock in unserem Blog vorstellen möchte. Doch bevor ich lange erkläre, hier der Bericht in originalem Wortlaut:

"Und nun zu der neusten Variation des Steifrockes, dem Luftrock. Ich will die Geduld derjenigen meiner geehrten Leserinnen, welchen dieses Wunder noch unbekannt, nicht auf die Probe stellen, sondern sogleich zur Erklärung desselben schreiten.

Der Prevel´sche Luftrock (Jupon Prevel) ist aus feinem Cambric verfertigt (so ist wenigstens das Pariser Modell, welches dieser Beschreibung zu Grunde liegt). 4 1/2 Elle weit, oben, vorn an der Taille mit schrägem Gurt versehen, der bis zu den Hüften reicht, von da ab wird der Rock nur gesäumt und einfach durch einen Zug geschlossen, so daß man die Falten nach Gefallen schieben kann. Auf der innern Seite sind unter einer Bedeckung von weißem Mousselin, welche sehr zweckmäßig zum Schnüren eingerichtet, in angemessener Entfernung von einander wie unsere Abbildung dies genau zeigt, drei Gummiröhren angebracht, deren Herausnahme bei der Wäsche durch die oben erwähnte Vorrichtung sehr leicht zu bewerkstelligen ist. Diese drei Röhren, welche in gefülltem Zustande ungefähr 1 1/2 Zoll im Durchmesser haben, sind natürlich von verschiedener Länge und vorn in doppelter Reihe durch eine dünne Gummiröhre verbunden, deren Ende mit einem Ventil versehen, oben an der Außenseite des Rockes herabhängt. In dieses geöffnete Ventil hauchend, theilt man dem Rock so viel Luft mit, als man zur Aufrechterhaltung der Garderobe für nöthig erachtet und wunderbar ist, mit welcher Schnelligkeit diese Ausdehnung vor sich geht, wie wenig Luft dazu erforderlich! Jede auch noch so asthmatische Dame hat Vorrath genug, ihren Rock mit Athem zu versorgen.

Nach vollendetem Experiment wird das Ventil geschlossen, und das biegsamste, graziöseste Unterkleid ist fertig, welches noch den Vortheil hat, daß die Trägerin durch eine im Oberkleide angebrachte Oeffnung vermittelst des Gummiröhrchens ihren Umfang, wo es an Raum fehlt, augenblicklich verringern kann. 

Die Vorstellung, eine solche Luftpumpe mit sich umherzutragen, hat freilich etwas sehr komisches, doch die Vollkommenheit dieser Erfindung nöthigt uns bei ihrem Anschaun sogar eine gewisse Ehrfurcht ab vor den industriellen Köpfen, welche die Kräfte der Natur auf so anmutige Weise den Zwecken der Mode dienstbar zu machen wissen.

Daß dieser Rock auch beim Sitzen den graciösesten Faltenwurf bildet, darf kaum erwähnt werden, wohl aber, daß die Einrichtung desselben das Darüberziehen eines zweiten unnöthig mach; durch einen den Saum des Rockes bedeckenden Bolant wird er zu einem höchst eleganten Unterkleide, welches nach der bloßen Beschreibung anzufertigen aber eine Unmöglichkeit ist. Die Luftröcke werden auch bereits in Berlin in der Corsettfabrik von Lisser & Co. angefertigt....

...Besitzt man einen solchen Rock, würde es nicht schwer sein, einen Zweiten nachzuarbeiten, um für den Fall der Wäsche die Gummiröhren hineinziehen zu können, denn nachdem wir von der Gediegenheit dieses Artikels überzeugt, begreifen wir wohl, daß, einmal daran gewöhnt, man sich schwer in die Entbehrung desselben findet.

Dem Verpacken des Luftrockes stehen durchaus keine Schwierigkeiten entgegen, er nimmt, zusammengelegt, einen unglaublich kleinen Raum ein, da die luftleeren schlaffen Gummiröhren jeden Druck vertragen."

In der Mode konnte sich die Luftrock-Variante offenbar trotz der angepriesenen Vorteile nicht durchsetzen - den Damen hatte es wohl den Atem verschlagen. Ich habe zuvor jedenfalls noch nichts vom Luftrock gehört und war über diesen Artikel im Bazar sehr amüsiert.

Vielleicht möchte jemand diesen Luftrock nacharbeiten? Bitte, nur zu! Und wer ihn nacharbeitet, verlinkt bitte ein Bild davon im Kommentarbereich, ich bin schon sehr gespannt. Vor meinem inneren Auge sehe ich Fahrradschläuche, aus denen sich ein Reifrock bildet... 😂...  Viel Glück beim Experimentieren!

25 August 2022

Tutorial (reloaded): 1828er Ärmelstützen/1828s sleeve puffs

The Tutorial is below the description and is including an English translation. 😊

Damit die Riesenärmel der Zeit um kurz vor 1830 nicht einfach traurig nach unten hängen, sollen sie etwas Unterstützung erfahren. Ärmelpolster sind angesagt! Nach etwas Recherche und Rumprobiererei habe ich mir ein Paar angefertigt, in der Größe moderat.


Als es an die Befüllung ging und das hierfür angedachte Federkissen sein Leben lassen sollte, wurde ich feige. Irgendwie hatte ich Befürchtungen, daß die Federn unkontrolliert im Zimmer herumfliegen und auch noch nach Wochen aus unzugänglichen Ritzen wieder auftauchen. Außerdem glaube ich, daß die kleinen Federkiele durchpieksen, denn so dicht gewebt wie ein Inlett-Stoff bei Kissen ist mein einfacher Baumwoll-Stoff nicht. Also wich ich kurzerhand auf Wolle aus, die damit nicht im Spinnrad sondern in den Ärmelpolstern landete. Könnte natürlich sein, daß sich die Wolle in einiger Zeit in einen Filzklumpen verwandelt. Aber nachdem die Ärmelpolster nicht den Belastungen des täglichen Tragens ausgesetzt sind, werden sie schon eine Weile halten, denke ich.

Stellt sich noch die Frage: Wie und wo werden die Dinger befestigt? Einige Abbildungen verraten, daß die Ärmelpolster ans Korsett zu binden waren. Sympathischer jedoch ist mir die Methode, die in "Costume in Detail" (das Buch hat sich zu meinem bevorzugtem Nachschlagewerk für dieses Projekt entwickelt) auf Seite 156 gezeigt wird. Danach sind die Bänder zur Befestigung der Ärmelpolster direkt im Kleid/am Ärmel angebracht. So werde auch ich es handhaben.

Hier ein kleines Tutorial zur Herstellung der Ende der 1820er bis Mitte der 1830er unerlässlichen Ärmelstützen. Dieses Tutorial veröffentlichte ich bereits vor einigen Jahren in einem inzwischen stillgelegten Blog. Weil es nicht mehr abrufbar ist dachte ich, dass es eine gute Idee ist, das Tutorial hier wieder zugänglich zu machen. 

Als Vorlage diente ein Stück aus der V&A Collection . Diese Ärmelstützen sind unmittelbar am Ärmel des Kleides zu befestigen, wie auch in "Costume in Detail" auf Seite 156 erwähnt wird.

Today a little tutorial for making sleeve puffs, which were absolutely neccessary to support the big sleeves between the end of the 1820s and the mid-1830s. I blogged this tutorials several years ago on my old blog, which now does not exist any more and I thought it would be a good idea to blog it again now. 

I found a picture from the V&A collection and tried to make some like that. These kind of sleeve puffs were fastened inside the dresses armholes with tape-ties, like mentioned in "Costume in Detail" at page 156 as well.

Es bietet sich an, die Stützen nacheinander - oder vorweg ein Probeteil - zu nähen. So kann man bei einer Anprobe gut erkennen, ob die gefertigten Maße ausreichen oder man für opulentere Ärmel auch größere Stützen braucht. Die von mir genähten Stützen sind moderat, da ich sie für ein ca. 1828er - 1830er Kleid benötigte. Für größere Ärmel, wie in den Mitt-1830ern würde ich eine andere Unterstützung empfehlen. Doch genug geredet - jetzt geht´s los!

It makes sense to sew first one sleeve puff and than the second - or to make a mock up first. Then you can see, whether it has the right size - or if it has to be bigger. The sleeve puffs I had sewn are moderate, the right size for 1828s to1830s dresses. For bigger sleeves of the mid-1830s I would recommend another support. But enough talking - let´s start!


Benötigtes Material:

  1. Baumwolle, dicht! gewebt, 60 x 70 cm
  2. dünnes Baumwollband, 1,20 Meter
  3. Füllmaterial, z.B. Daunen oder Schafwolle
Nahtzugabe von 1cm ist enthalten

Required material:
  1. cotton, tightly! woven, 60 x 70 cm
  2. thin cotton tape, 1,20 meter
  3. stuffing like down-feathers or lambswool
 The pattern contains a seam allowance of 1 cm.



Du siehst, meine Schnitteile sehen nicht 100% wie die Vorlage aus. Das stört nicht. Die Maße brauchen nicht auf den Millimeter genau mit den Angaben überein zu stimmen. Doch in etwa sollte die aufgezeichnete Form dabei heraus kommen (und vielleicht etwas besser gebügelt) ;-)

As you can see, my pieces don´t look exactly like the diagram. But that doesn´t matter. You don´t have to work too pernickety, at least the shape of the pieces should be approximately right (and maybe better ironed than mine) ;-)

  • Markiere bei beiden Teile die Mitte.
  • Dann reihe bei Teil 1 die zuerst die obere, dann die untere Kante zwischen den Markierungen ein.
  • Stecke an Teil 2 drei ca. 20cm lange Baumwollbänder an den markierten Stellen fest. Nach oben sollte ein Stück über stehen, der lange Teil des Bandes sollte nach innen zeigen.***Hinweis: Als ich die Ärmelstützen erstmals anlegte, fand ich den Effekt besser, wenn ich sie genau andersherum trug. Daher entfernte ich die Bänder später nochmal und nähte sie an der ehemals unteren Seite fest. Entscheide einfach selbst, was Dir besser gefällt. Wenn Du Dich jetzt noch nicht entscheiden kannst, dann nähe die Bänder erst am Schluß an :-)
  • Lege Teil 1 auf Teil 2, die rechten Seiten innen. Stecke die Teile zunächst in der Mitte aneinander fest, dann an den Seiten. Nun passe Teil 1 an Teil 2 an und stecke beide Teile aufeinander fest. Das Ganze müsste nun so aussehen:
  • Mark the middle at both pieces
  • Gather first the upper and and then the lower edge of piece 1 between the red marks
  • Pin tree 20cm long cotton tapes at the blue marks of piece 2, the long side leading downwards *** Remark: When I put on the finished sleeve puffs, I liked them more, when I wore them with the lower side above. Therefore I removed the tapes and sewd them at the former lower side. Feel free to sew the tapes at the upper side or below - where you want! If you cannot decide it now, sew them at the end :-)
  • Place piece 1 on 2 with right sights together, matching the centers and the sides. Now make piece 1 fit at piece 2 and pin them togehter. The whole thing now has to look like that: 
  • Nähe die zuerst die oberen, dann die unteren Kanten zwischen den Markierungen zusammen. Achte darauf, dass die Bänder hierbei nur an den Stellen vernäht werden, an denen dies auch geplant ist.
  •  Entferne die Stecknadeln und wende das Innere des Stoffschlauchs nach außen.
  • Steppe die Teile an der im folgenden Bild gezeigten Stelle zusammen. Dies wird verhindern, daß sich das Füllmaterial nicht zu sehr unter den Arm verteilt sondern außen bleibt.
  • Sew the upper edge between the marks. Repeat this with the lower edge. Be carefull to sew the tapes only where they should be sewn. 
  • Take away the pins and turn inside out.
  • Sew the pieces together as shown in the picture below. This will prevent the filling from moving.
  • Nun wird ausgestopft! Das Füllmaterial (ich habe hierfür Schafwolle verwendet, üblich waren auch Daunen) wird durch die dafür vorgesehene Öffnung nach innen geschoben.
  • Dann wird die Öffnung geschlossen, indem zunächst eine weitere Naht quer über das Nähgut erfolgt. Danach wird die obere Kante vernäht (siehe Pfeile auf dem nachfolgenden Foto)
  • Now we fill in the stuffing (I used lambswool - down-feathers were usually, too) through the gap.
  • Next, you have to close the gap as shown at the following photo. Make again a seam across the pieces. Then close the upper edge .
  • Im letzten Schritt wird die Ärmelstütze an den Oberarm angepasst (nicht zu eng!) und die noch offenen Seiten mittels einer Kappnaht miteinander vernäht. Fertig! Ich hoffe alles hat gut funktioniert und Du kannst Dich an Deinen neu genähten Ärmelstützen erfreuen. :-)

  • Last step! Fit the sleeve puff to your upper arm (not too tight!) and sew the sides together with a French seam. Finished! I hope everything went well and you are happy with your new sleeve puffs. :-)

05 August 2022

Schnurrock für die Mode um 1828

Im Lauf der 1820er nimmt die Entwicklung der  Röcke von der A-Linienform zur späteren Kuppelform Fahrt auf. Die Röcke nehmen stetig an Weite zu und wollen gestützt werden. Hilfreich waren zu diesem Zweck Unterröcke, welche mit Schnur verstärkt waren und somit für etwas mehr Volumen sorgten.

Um die Schnüre in den Stoff zu bekommen, kann man auf zweierlei Art vorgehen. Man kann die Schnüre paspelmäßig im Stoff vernähen oder sie sandwichartig zwischen zwei Lagen von Stoff einnähen. In diesem Fall hatte ich mich für die zweite Art entschieden. In meinem Stofflager war ein Stück Baumwollstoff in zufälliger Länge von 1,75m vorhanden, dieser wurde entsprechend bearbeitet.

 

Die Fertigung des Rocks besteht hauptsächlich aus der stupiden Festnäherei der Schnüre. Also total einfach. Und genau das Richtige, wenn man gerade weder die Zeit noch den Kopf hat, sich in kompliziertere Abläufe rein zu denken.


Insgesamt 61 Reihen befinden sich am Rock. Eine 10er-Reihe und drei 17er-Reihen - das sind die Zahlen, die sich zufällig beim Verbrauchen der Schnurrollen ergeben haben. Benutzt hatte ich Paketschnur. Bei der 10er Reihe hatte ich restliche vorhandene Schnur eingenäht, welche einen Durchmesser von ca. 2mm hatte, danach arbeitete ich mit einer Schnur mit etwa 1,5mm Stärke. Beide Schnüre waren okay, aber empfehlen würde ich eindeutig die Dünnere. Als minimale Verzierung bestickte ich die Lücken zwischen den Schnurreihen mit jeweils einer einfachen Reihe Kettstich.

Und hier nun das Endergebnis, voilá:


Der Umfang beträgt 1,65m und bildet eine schöne Grundlage für eine 1828er Silhouette. Ergänzt wird der Unterbau durch das Zufügen einiger Unterröcke, welche das Volumen noch etwas vergrößern. Für die Mode des späten Biedermeier, bei der die Röcke noch mehr an Umfang und somit auch Gewicht zunehmen, wird der gezeigte Schnurrock jedoch nicht ausreichen. Hierfür wäre ein Schnurrock mit mehr Weite notwendig. Um die Standfestigkeit zu erhöhen, kann der Schnurrock noch zusätzlich mit Wäschestärke versteift werden.  

 

25 Oktober 2021

Biedermeier: Ein kleiner "Weiberspeck"

Auch im Biedermeier benötigen die Röcke ein wenig Unterstützung, um den optisch richtigen Winkel im Übergang von der Taille zur Hüfte zu erhalten. In dem Buch "Costume in Detail" von Nancy Bradfield war die Lösung des Problems skizziert: Ein kleiner Weiberspeck aus weißem Baumwollstoff, datiert auf den Zeitraum von 1825 bis 1835.

   
Meine Variante habe ich aus einem Rest cremefarbener Baumwolle gefertigt. Unter dem ausgestopften Röllchen sitzen zwei unterschiedlich lange Rüschen, die einen fließenderen Übergang zum Rock ermöglichen. Das Taillenband des Originals wird vorne mit einem Knopf verschlossen, ich habe mich jedoch für die Schleifenvariante entschieden, um in der Taillenweite etwas flexibler zu sein.



05 Juni 2021

1882er Tournüre

Diese Tournüre aus weißem Baumwollstoff entstand nach einer Abbildung aus Harper´s Bazar von 1882. Sie ist in den Ausmaßen noch etwas dezenter als die spätere 1885er-Tournüre. Mit Hilfe eines Taillenbandes, das vorne geknotet wird, kann man sich die Tournüre umbinden.

Die abgesteppten Tunnel wurden mit Stäben aus Stahlfederband bestückt.

Die Saumrüsche ist mit Knöpfen befestigt und kann zum Waschen abgenommen werden.

 
Auf der Innenseite sind Baumwollbänder angenäht. Mit ihrer Hilfe kann die Form der Tournüre beeinflußt werden. 
 
 
Möchte man den Unterbau platzsparend verstauen, egal ob im Kleiderschrank oder im Reisegepäck, so können die Schleifen auf der Innenseite gelöst werden. 

 Die Tournüre läßt sich im flachen Zustand ohne Probleme aufrollen und verpacken.


15 April 2021

Krinoline um 1860

Dieser Reifrock ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Krinolinen-Kollektion. 

Einzelne Ringe in unterschiedlichen Weiten aus Stahlfederdraht werden von den Baumwollbändern gehalten.

Die eingestanzten Ösen dienen nur der Zierde, da ich keine Nieten zur Reifenbefestigung hatte. Die Reifen sind festgenäht.

Ein in der hinteren Mitte untergesetztes Kissen sorgt dafür, daß der Reifrock beim Tragen gut ausbalanciert ist.

Die Krinoline ist an einem Gürtel befestigt, der vorne geschlossen wird.

Unten ist eine Saumrüsche aus dem grünen Stoff angenäht, damit der Saum des Kleides nicht "einbrechen" kann.

Die Krinoline besitzt ein verhältnismäßig geringes Eigengewicht und ist angenehm zu tragen. 

 

20 Oktober 2020

Unterbauten für die 1830er-Ärmel

Wenn man Kleider aus den 1830er Jahren besitzt, benötigt man natürlich auch die passende Unterwäsche mit allem, was dazu gehört. Stützende Elemente für die übergroßen Ärmel der Kleider dürfen da nicht fehlen. Es gibt sie in mehreren Ausführungen: ausgestopfte Kissen oder mit Reifen. Nachdem ich mir mehrere Exemplare aus der Zeit angeschaut hatte, habe ich mich für die luftigere Reifenvariante entschieden, die auch auf Reisen im Koffer wenig Platz benötigt.


In diesem Fall habe ich keine Originale direkt nachgebastelt, sondern bin selbst kreativ geworden. Mit dem Endergebnis bin ich sehr zufrieden. Die Ärmelchen sind aus Baumwollstoff gearbeitet, oben und unten eingekräuselt und mit einem Schrägstreifen eingefaßt. Oben können sie mit angenähten Schnüren entweder am Korsett befestigt oder direkt im Kleid festgebunden werden. Dadurch rutschen sie nicht ungewollt.


Ein Reifen aus Plastik-Fischbein im unteren Bereich sorgt dafür, daß die Kleiderärmel nicht in sich zusammenfallen. Die Ärmelchen sind so leicht, daß man sie beim Tragen nicht spürt und machen jede Bewegung mit, ohne zu stören.