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25 Juni 2023

Kravatte zum Krinolinenkleid

Heute werfen wir einen Blick auf ein Accessoire, welches die Kleidung der Dame um 1860 ergänzte: Die Kravatte - heutzutage eher "Fliege" genannt und nicht zu verwechseln mit der heutigen Schlips-Variante. Abgeschaut hatte man sich diese Mode von den Herren, dort erfreute sich die um den Hals gebundene Schleife schon lange und vor allem im Biedermeier großer Beliebtheits. Schließlich schaffte das Textil es als Alternative zum Spitzenkragen an den Hals der Damen. Bis in die 1880er hinein waren die Kravatten Teil der Mode, bevor sie successive durch Jabots abgelöst wurden. 

Natürlich gibt es besondere Arten, eine solche Kravatte ordentlich zu binden - leider bin ich dessen nicht kundig, weshalb es nur ein ordinäres Schleifchen aufs Bild geschafft hat:


Bei uns im Badischen wird dieses Accessoire "Mäschle" genannt und ist in der oben gezeigten Ausführung ein Erbstück meiner Großmutter, schätzungsweise aus den 1950er Jahren. Dieses Mäschle war eigentlich Teil einer hiesigen Tracht und ich könnte mir vorstellen, dass sich dies aus der Mode des 19. Jahrhunderts heraus so entwickelt hat. Im Gebrauch unterscheidet es sich jedenfalls nicht von seinen Ahnen. Und da es farblich einfach herrlich mit dem Krinolinenkleid übereinstimmt, freue ich mich sehr, ein zierendes Accessoire hierfür gefunden zu haben.



15 Juni 2023

Krinolinenkleid um 1860

Werbung, da Nennung eines Schnittmusters

Ich wurde gefragt, ob ich für eine Ausstellung ein "Sissi"-Kleid im Fundus hätte. Da ich bislang keine Vorliebe für die Krinolinenmode entwickelt hatte, musste ich dies zunächst verneinen - aber mein Ehrgeiz war geweckt! Und so beschäftigte ich mich erstmals genauer mit der Mode um 1860. Den zugehörenden Unterrock habe ich bereits im letzten Beitrag vorgestellt. Die als Unterbau benötigte Krinoline hat ihren Zweck für die Zeit der Ausstellung sehr gut erfüllt, war aber aus historischer und praktischer Sicht ein Fehlkonstrukt und wurde bereits wieder demontiert ohne einen eigenen Beitrag erhalten zu haben. Damit das gezeigte Volumen des Kleides eingeschätzt werden kann, berichte ich aber gerne, dass die unteren Reifen einen Umfang von 3,30 Metern hatten.

 

Das Kleid entstand aus Seide und das Oberteil erhielt ein Futter aus einem leichten Baumwollsatin. Für die Herstellung habe ich mir das Schnittmuster "1858-1862 Darted Bodices & Undersleeves" von Past Patterns besorgt, mit dem ich sehr zufrieden war. Für den Rock benötigte ich kein Schnittmuster sondern nur Geduld beim Reihen der Falten 😉. 

Die Dekoration der Pagodenärmel entstand aus dem Stoff des Kleides. So schnitt ich mit dem Rollmesser mit Zackenklinge ein Band, welches ich in Falten legte. Auf das Faltenband wurde dann noch eine seidene Posamentenborte genäht. 

Die Perlmutknöpfe sind nur Zierde. Tatsächlich wird das Oberteil mittels Haken und Ösen geschlossen.

Nähere Infos zur Kravatte - heute würden wir eher "Fliege" sagen - wird es im kommenden Beitrag geben. Das Tüpfelchen auf dem i wären natürlich noch ein schöner Kragen und Unterärmel gewesen. Doch zugegebenermaßen lief mir am Ende doch die Zeit davon und das Kleid machte auf der Ausstellung auch so eine gute Figur. 

Das Nähen des Kleides hat wirklich Spaß gemacht. Ich bin immer noch verblüfft, wie leicht mir der Zugang zu dieser Mode-Epoche fiel, obwohl ich (immer noch) nicht den Wunsch verspüre, Krinolinenkleider selbst zu tragen.



05 Juni 2023

Ein Unterrock zum Krinolinenkleid

Unterröcke hatten in der Zeit um 1860 gleich mehrere Aufgaben. Zunächst trug man sie traditionell aus Anstandsgründen, dann um Volumen zu erzeugen und nicht zuletzt verhinderten sie das unschöne Durchdrücken der Krinoline auf den Oberstoff. Die Krinoline sorgte zwischenzeitlich zwar für das gewünschte üppige Volumen und machte zwar das Tragen wirklich vieler Unterröcke wie zu Zeiten des Biedermeier überflüssig, trotzdem war es nicht völlig obsolet, mehrere Unterröcke zu tragen.

Mein Unterrock kommt momentan jedoch alleine daher. Er ist dafür gedacht, direkt unter dem Oberrock getragen zu werden und hat aus diesem Grund als Abschluss eine schöne Spitze, damit es schön aussieht, wenn er doch mal hervor blitzt. Gefertigt wurde der Rock aus einem Baumwollbatist in 5 Metern Länge. 

 


Die Spitze war beidseitig and den Kanten bestickt, was zwar die doppelte Menge an Spitze bedeutete, mich aber bei der Nutzung der Breite einschränkte. Um die gewünschte Länge für den Rock zu erhalten setzte ich daher oben am Rock einen anderen Stoff an. Kurzzeitig dachte ich darüber nach, die übrige Spitze in einer zweiten Reihe nochmals anzusetzen, verwarf diesen Gedanken dann aber wieder. Der Rock ist meiner Meinung nach gut, so wie er ist.

 

15 April 2021

Krinoline um 1860

Dieser Reifrock ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Krinolinen-Kollektion. 

Einzelne Ringe in unterschiedlichen Weiten aus Stahlfederdraht werden von den Baumwollbändern gehalten.

Die eingestanzten Ösen dienen nur der Zierde, da ich keine Nieten zur Reifenbefestigung hatte. Die Reifen sind festgenäht.

Ein in der hinteren Mitte untergesetztes Kissen sorgt dafür, daß der Reifrock beim Tragen gut ausbalanciert ist.

Die Krinoline ist an einem Gürtel befestigt, der vorne geschlossen wird.

Unten ist eine Saumrüsche aus dem grünen Stoff angenäht, damit der Saum des Kleides nicht "einbrechen" kann.

Die Krinoline besitzt ein verhältnismäßig geringes Eigengewicht und ist angenehm zu tragen. 

 

10 April 2021

1866 - Illustrierte Mode aus "Peterson´s Magazine"

Das "Peterson´s Magazine" bietet im Vergleich zu "La Mode Illustrée" weniger detailgetreue Abbildungen. Doch auch diese colorierten Kupfer können zur Inspiration für eigene Kreationen dienen. 

Während 1866 in Europa die elliptische Krinoline ihren Zenit überschritten hat und bereits wieder an Volumen und Umfang einbüßt, zeigt Peterson´s Magazine in den Vereinigten Staaten seinen Leserinnen unter dem Slogan "Les Modes Parisiennes" die elliptische Krinoline im Maximum. Doch auch dort stellt man im Mai fest: "The fashion of trimming the backs of the dresses ist increasing", dass der Trend immer mehr dazu geht, die rückwärtigen Teile der Röcke zusätzlich durch Dekoration zu betonen. Dies geschieht zum Beispiel durch lange Bänder, welche die Enden von Schärpen vortäuschen. Dies sind die ersten Anzeichen für die kommende Entwicklung der Mode.

Die Ärmel werden zwischenzeitlich wieder schmäler getragen, die einst beliebten Pagodenärmel sind nur noch selten zu sehen.