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15 September 2025

Ein wärmendes Mäntelchen für die 1870er

Auch in den Gründerjahren wird man früher oder später dankbar für ein wärmendes Kleidungsstück sein, sei es nun, weil es gegen Abend frischer wird oder die kalte Jahreszeit beginnt. Dieses capeartige Mäntelchen ist nach Skizzen von Nancy Bradfields "Costume in Detail" entstanden. Das Original wurde ca. zwischen 1870 und 1875 aus schwarzer Seide gefertigt. 
 
 
Ich persönlich habe mich für einen schwarzen Wollstoff entschieden. Zum Verschießen dienen 3 Posamentenverschlüsse in der vorderen Mitte. Sicherheitshalber habe ich darunter versteckt aber noch Haken und Ösen angenäht. Ein auf der Innenseite angenähtes Taillenband sorgt für einen guten Sitz und einen herausmodellierten "Bürzel". Wenn man schon ein Tournürenkleid trägt, soll es auch in der kalten Jahreszeit zur Geltung kommen.
 

 Dekoriert ist das Cape mit Fransen und einem in Wellen eingekräuselten Satinband. Der Ansatz des "Schößchenteiles" in der hinteren Mitte wird von einer schwarzen Samtschleife verdeckt.
 

 

25 Dezember 2023

Empire-Winter: Es wird kalt

Für die sehr kalten Tage in der Empirezeit, wenn ein kleiner Spenzer nicht mehr ausreichend wärmt, sollte man sich einen Mantel, auch Redingote oder Pelisse genannt, zulegen. Ich habe mich an zeitgenössischen Vorbildern orientiert, bin aber selbst kreativ geworden. Der Mantel ist aus einem dunkelblauen Wollstoff gefertigt und mit Pongeseide abgefüttert. In der vorderen Mitte kann er mit Haken und Ösen geschlossen werden.

 
Die Teilungsnaht liegt unterhalb der Brust, wie es zu Beginn des 19. Jahrhunderts modern war. Die untere Mantelpartie ist im Vorderteil glatt angesetzt, während die Mehrweite im Rücken in Falten gelegt ist. Der Übergang wird von einem aufgesetzten Gürtel aus Wollstoff verdeckt.
 
 
Der Mantel hat einen breiten Schulterkragen und einen Umlegekragen erhalten. Der Vorteil bei diesem Entwurf: Schultern und Hals werden zusätzlich warm gehalten. Entlang der Säume und Kanten habe ich Fellstreifen aufgesetzt, die ich aus einem alten Schaffellmantel herausgeschnitten habe. Über der Fellkante des Schulterkragens habe ich noch ein dunkelblaues Samtband ergänzt, damit der Übergang sich harmonischer gestaltet.
 

 So warm eingekuschelt sollte man sich beim Verlassen des Hauses keinen Schnupfen holen. 


15 Dezember 2023

Wenn es kalt wurde im Jahr 1817...

 ... dann war man froh um wärmende Oberbekleidung. Jahreszeitlich passend werfen wir heute einen Blick auf die Empfehlungen der Zeitschrift "Journal des Dames et des Modes". 

Nicht nur Mäntel und Spencer werden gezeigt, sondern auch die passenden Hüte für den Spaziergang in der Kälte. Für die Kopfbedeckungen sind in der kalten Jahreszeit Samt ("velours") und Plüsch ("pluche") die Materialien der Wahl.

Eine "Douilette" ist Hausmantel oder eben ein warmes und bequemes Kleidungsstück. Offenbar zieht diese Dame ihren gemütlichen Mantel so gerne an, dass sie damit auch außer Haus unterwegs ist, was am getragenen Hut zu erkennen ist.



Auffällig ist, dass auf keiner der gezeigten Darstellungen ist ein Tuch zu sehen, und dies, obwohl sich dieses als praktisch gegen die Kälte erweisen würde. Offenbar hat das vor wenigen Jahren noch so beliebte Accessoire ausgedient. Allerdings waren die Kleider und auch die Oberbekleidung einige Jahre zuvor optisch noch wesentlich schlichter. Zwischenzeitlich fand man Gefallen daran, Mäntel und Spencer aufwändiger zu dekorieren. Ein Tuch würde diesen Aufwand verdecken und die Aufmachung zu unruhig wirken lassen. Immerhin ist die Dame auf der obigen Abbildung mit einem Schawl unterwegs, wenn auch lediglich mit einem Spencer als Oberbekleidung. Dies ist umso erstaunlicher, da der Modekupfer im Dezember 1817 veröffentlicht wurde. Entweder waren die Damen hart im Nehmen oder ziemlich leichtisinnig...

 

Etwas extravaganter ist die Kopfbedeckung auf diesem Bild. Die Toque weicht sehr von der sonst so beliebten Schutenform ab. 


Während auf den anderen Abbildungen durchgängig weiße Handschuhe getragen werden, sind diese auf obiger Darstellung grün. Außerdem trägt diese Dame Gamaschen und schützt so Schuhe und Füße vor Schmutz.

 


Sehr schön lässt sich anhand dieser Abbildung der langflorige Plüschhut aus Seide erkennen. Ob die Besätze des Mantels und der Schuhe, sowie der Muff ebenfalls aus Plüsch bestehen oder aus Pelz gefertigt wurden, kann der Beschreibung leider nicht entnommen werden. Möglich wäre beides. 



Auf den Modekupfern sind außerdem die beliebten Halsrüschen zu sehen. Diese gehören zu einer Chemisette und werden in der Zeit des späten Empire bis ins Biedermeier gerne in einer einfachen oder auch mehrreihiger Ausführung getragen. Die Halsrüschen stellen einen prägnanter Bestandteil der modischen Erscheinung dieser Zeit dar.

05 Januar 2023

1877 - Wintermode in Peterson´s Magazine

Willkommen im Neuen Jahr! Peterson´s Magazine nimmt zu Anfang des Jahres 1877 die Stimmung der aktuellen Jahreszeit mit einem Genrebild auf - idyllische Winterfreuden, wie man sie sich kaum schöner wünschen kann:

Illustrationen von wärmender Oberbekleidung sind nun angesagte Inspriationsquellen. Und aufgepasst: Für jene, die dem rutschigen Vergnügen nicht zugewandt sind, bestimmen auch im Winter Schleppen die modischen Kleider. Ob die Damen damit damals wirklich auf unbefestigten Straßen flaniert sind? Zumindest machen uns dies zeitgenössische Illustrationen - und die zugehörigen Unterschriften, bzw. Beschreibungen - glauben.



Das colorierte Modebild für Februar 1877 zeigt dem Motto "The Winter Prominade" angesagte Pariser Modelle. Was man eben so trägt, wenn man zu Fuß oder mit der Kutsche unterwegs ist:

 


Die Beschreibung von links nach rechts:

Fig. 1 - Walking-dress of deep linden-flower-green camel´s hair. - The underskirt is of silk and plain. The camel´s hair over-dress and mantle is trimmed with a deep, rich, worsted ball fringe; bow of cardinal-red a the waist of the mantle. Very dark green felt bonnet, trimmed with cardinal-red.

Fig. 2 - Carriage-dress of dark-gray silk, trimmed with alternate ruffles of scantily gahtered silk and knife-pleating; cloak of seal-brown velvet trimmed with bands of seal fur; bonnet of velvet, of the color of the cloak, trimmed with a bird with blue gray plumage and pipings of the color of the dress. 

Fig. 3 - Walking-dress of plain black silk. - The Paletot is of gray basket-cloth, made to partially fit the figure; has large pockets, and is trimmed with fur. White felt bonnet, trimmed with a white feather, blue velvet and pink roses.

Fig. 4 - Walking dress of striped camel´s hair of two shades of brown. The petticoat is of silk, of the color of the lighter brown in the over-dress; it is trimmed wutg a broad diagonal puffing; the tunic is very long, both in front and in the back, is slightly looped quite low down and trimmed with a knife-peating of the silk. The very deep, straight jacket is finished with worsted tassel fringe; cuffs and hood of the silk, the latter trimmed with the fringe. Thimble-shaped, light-brown felt bonnet, ornamented with long rows of ribbon and ivy-leaves.

Fig. 5 - Carriage-dress of ink-blue vevet and camal´s hair - The petticoat of velvet has one deep flounce with a puffing above it. The ink-blue camel´s hair overdress and the Marie-Antoinette mantle are trimmed with a band of gray India camel´s hair. Brown felt bonnet, trimmed with cardinal red.

 


25 November 2022

Moderückblick 1842: Wärmende Mäntel im späten Biedermeier

Heute zeigen uns Abbildungen der "Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode" aus dem Jahr 1842 wie man sich nach damaligem Geschmack gegen die Kälte schützte. Für mich zunächst überraschend setzt man auch bei kaltem Wetter auch auf Seide als Oberstoff!? Überwog die Eitelkeit vor der Vernunft? Konnte natürlich auch sein, dass die gezeigten Damen ohnehin einen Kutscher haben, der sie vor der Haustür einsteigen und am gewünschten Ort wieder aussteigen ließ und dann tippelte man nur einige wenige Meter zur Promenade hin und her. Und bevor man wirklich anfing zu frieren, rief man halt den Kutscher wieder... Doch Vorsicht vor voreiligen Schlüssen! Beim nochmaligen darüber Nachdenken musste ich mir klar machen, dass damals Seidenstoffe in mehr Varianten zur Verfügung standen, als wir sie heute für gewöhnlich zum Kaufen finden können. Es gibt durchaus auch feste und schwere Seidengewebe. Gut gefüttert kann also auch ein solcher Mantel vor der Kälte schützen.

Paletot nach neustem Pariser Schnitt, von geschnittenem Sammt. Kleid von deffinirtem Seidenstoff. Sammthut mit einer angeknüpften Feder.

 

Paletot von gemustertem Seidenstoff, mit Plüsch oder Sammt besetzt. Kleid von moirirtem Vert Anglaise mit zwey Volants. Hut von gezogenem Sammt mit Blumen und Spitzen.

 

Crispine von schwarzem Sammt, mit Hermelin besetzt. Kleid von faconnirtem lila Stoff, mit Fransen besetzt. Hut von Atlas mit Blonden und Blumen. 

 

Mantel nach neuester Art von Seidenstoff und Spitzen. Hut von schwarzem Sammt mit Spitzen und Federn.

 


Bournouße nach neuesten Formen mit Fransen. Weißer Stoffhut mit Schleier und Feder. Hut von gelbem Gros grain mit Schleier und Rosenguirlande.


25 Dezember 2021

1830er Cape aus grünem Wollstoff

Nach einem Modebild aus den 1830ern entstand dieses Cape aus grünem Wollstoff. Innen ist es mit der hellgrünen Seide abgefüttert, die auch auf der Außenseite in den dekorativen Elementen wieder auftaucht.


Der Rücken wird mit Hilfe eines Taillenbandes, das auf der Innenseite des Capes angenäht ist, in Form gebracht.


 Am Hals wird das Cape in der vorderen Mitte mit einem Haken und einer Öse geschlossen.


 Das Vorderteil endet unten in einer runden, geschwungenen Form.


Der Saum hat eine Bogenkante bekommen, die Kante selber wurde mit einem Schrägstreifen aus hellgrüner Seide eingefaßt. Darüber befindet sich ein weiteres Seidenband, das parallel zum Saum aufgesetzt ist.


 Die bogig verlaufende Saumkante des Kragens ist ebenfalls mit einem Schrägstreifen eingefaßt.


01 April 2021

Biedermeier 1840er: Grüner Seidenmantel

Eines meiner Lieblingsbücher, welches mich immer wieder zu neuen Projekten motiviert, ist "Costume in Detail" von Nancy Bradfield. So hat es mir auch dieser Mantel angetan, der im Original aus grauer Seide genäht ist.


Mein Mantel ist aus grün-schwarz changierendem Seidentaft genäht. Um die vorderen Kanten und den Hals läuft eine beidseitig eingekräuselte, aufgesetzte Blende. Die Säume sind mit doppelten Rüschen besetzt.


Der optische Ärmel ist unter den Rüschen geöffnet und nur am unteren Ende mit einem Handstich zusammengepunktet. Auch habe ich den Ärmel in meiner Version verlängert, so daß er bis zum Handgelenk reicht. 

 
Die Rüschen sind von Hand gesäumt und mit kleinem Köpfchen aufgesetzt. Die Nahtlinie wurde mit einem Stielstich verziert.


20 Februar 2021

Dunkelblauer Spenzer aus der Empirezeit

Für den Empire-Spaziergang bei gemäßigten Temperaturen kann man gut ein Jäckchen zum Überziehen gebrauchen. Dieser schlichte Spenzer ist aus einem dunkelblauen Wollstoff gefertigt und mit Pongéseide abgefüttert.

In der vordern Mitte verschieße ich ihn mit Haken und Ösen. Die Knöpfe sind nur zur Dekoration aufgesetzt.

 Ein kleiner Kragen und die Ärmelaufschläge sind weitere Hinkucker.  



01 September 2020

Roséfarbenes Cape im Stile der 1830er


Das Original, nach dem dieses Cape angefertigt ist, wurde von Nancy Bradfield in "Costume in Detail" abgebildet. Es ist auf den Zeitraum von 1835 - 1839 datiert und aus blauem Seidentaft mit einer blauen Samteinfassung gearbeitet. Der ausladende Kragen betont besonders schön die damals angestrebte breite Schulterpartie. Auch die vorne herabhängenden Enden waren groß in Mode. 


Meine Variante des Capes ist aus einem roséfarbenen Baumwollstoff gefertig und wurde mit cremefarbener Pongéseide abgefüttert. Für den breiten Kragen wurde ein Seidensamt verwendet, der ebenfalls für die Saumeinfassung herhalten mußte. Mit einem Taillenband, das auf der Innenseite des Capes angenäht ist, wird das Ganze auf Figur gebracht. Außen sitzt an der gleichen Stelle ein Riegel, der mit zwei Perlmuttknöpfen dekoriert ist.


 In der vorderen Mitte wird das Cape mit Schleifenbändern geschlossen.


 Eine cremefarbene Klöppelspitze bedeckt den Ansatz der Saumeinfassung.